Wo der Prosecco seinen Ursprung hat
Nur 50 Kilometer nördlich von Venedig zieht sich ein schmaler Hügelstreifen durch die Provinz Treviso, der Weingeschichte geschrieben hat. In 15 Gemeinden zwischen den Orten Conegliano im Osten und Valdobbiadene im Westen wächst die Glera-Traube auf steilen, südlich ausgerichteten Hängen, die von Hand bewirtschaftet werden müssen. Rund 450 Arbeitsstunden pro Hektar und Jahr investieren die Winzer hier – ohne die Lese einzurechnen. Dieser „heroische Weinbau", wie er in Italien genannt wird, ist einer der Gründe, warum die Prosecco-Hügel von Conegliano und Valdobbiadene 2019 als Kulturlandschaft in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurden.
Die Geschichte des Gebiets reicht weit zurück: Bereits 1772 findet sich die erste schriftliche Erwähnung, die Prosecco mit dieser Hügellandschaft verbindet. 1876 wurde in Conegliano die erste Weinbauschule Italiens gegründet, das Istituto Cerletti, das die Methode der Schaumweinbereitung im Drucktank grundlegend weiterentwickelte. 1969 erhielt das Gebiet die DOC-Anerkennung, 2009 folgte der Aufstieg zur DOCG – der höchsten Qualitätsstufe im italienischen Weinrecht.
Prosecco Superiore DOCG – was die Klassifikation bedeutet
Nicht jeder Prosecco darf sich „Superiore" nennen. Die DOCG Conegliano Valdobbiadene ist streng auf die Hügellagen der 15 zugelassenen Gemeinden begrenzt und verlangt mindestens 85 Prozent Glera-Trauben. Ergänzt werden dürfen lokale Sorten wie Verdiso, Perera, Bianchetta Trevigiana und Glera Lunga. Im Vergleich zum weitläufigen Prosecco DOC, der neun Provinzen zwischen Venetien und Friaul-Julisch Venetien umfasst, ist das Superiore-Gebiet mit rund 7.000 Hektar bewusst klein gehalten. Die Erträge sind niedriger, die Lese erfolgt ausschließlich per Hand.
Innerhalb der DOCG gibt es zwei besondere Kategorien: Die Rive-Weine stammen aus einer von 43 eingetragenen Einzellagen und müssen jahrgangsbezeichnet sein. An der Spitze der Qualitätspyramide steht der Superiore di Cartizze, gewonnen aus einer nur 107 Hektar großen Unterzone bei Valdobbiadene mit idealer Südausrichtung – er gilt als der „Grand Cru" des Prosecco.
Aromen, Stilistik und Dosage
Die Charmat-Methode, bei der die zweite Gärung im Drucktank stattfindet, bewahrt die sortentypische Frische und Fruchtigkeit der Glera-Traube besonders gut. Im Glas zeigt sich Prosecco Superiore in hellem Strohgelb mit feiner, anhaltender Perlage. Typisch sind Aromen von grünem Apfel, reifer Birne, weißen Blüten und einem zarten Hauch Zitrus, bei gereifteren Exemplaren ergänzt durch Noten von Pfirsich und Mandel.
Je nach Restzuckergehalt gibt es drei Stilrichtungen: Brut (0–12 g/l) ist die trockenste Version und liegt im internationalen Trend. Extra Dry (12–17 g/l) gilt als die traditionellste Ausprägung des Valdobbiadene, mit einer dezenten Restsüße, die die Fruchtigkeit betont. Dry (17–32 g/l) bietet den höchsten Zuckergehalt und eignet sich besonders als Begleiter zu fruchtigem Dessert. Daneben existieren auch Brut Nature und Zero Dosaggio mit unter 3 g/l Restzucker für alle, die es besonders trocken mögen.
Food-Pairing und Trinkempfehlung
Prosecco Superiore aus Conegliano Valdobbiadene entfaltet sich bei einer Trinktemperatur zwischen 6 und 8 °C am besten. Als Aperitif kommt die feine Perlage voll zur Geltung, doch die strukturierteren DOCG-Weine können deutlich mehr als den Auftakt eines Abends begleiten. Brut-Varianten harmonieren hervorragend mit Meeresfrüchten, Sushi, frischem Fisch und Risotto. Extra Dry passt zu leichten Antipasti, mildem Käse und Gerichten mit dezenter Würze. Wer venetische Tradition mag, reicht dazu Cicchetti – die kleinen Häppchen der venezianischen Bars.
Prosecco Superiore bei Vinolisa
In unserem Sortiment finden Sie ausgewählte Prosecco Superiore DOCG von Weingütern, die das Terroir von Conegliano Valdobbiadene authentisch in die Flasche bringen. Casa Vinicola Canella, ein Familienweingut seit 1947, gehört zu den Pionieren der Prosecco-Schaumweinbereitung und liefert mit dem Millesimato Extra Dry einen jahrgangsbezeichneten Superiore mit feiner Eleganz. Viticoltori Ponte steht für die genossenschaftliche Tradition der Region und bringt einen klassischen Valdobbiadene Brut mit sortentypischer Frische ins Glas.
Wenn Sie sich für italienischen Schaumwein jenseits des Conegliano Valdobbiadene interessieren, lohnt sich auch ein Blick auf unsere Franciacorta-Auswahl – Italiens Antwort auf die Champagne, hergestellt nach der klassischen Flaschengärung in der Lombardei.