Sardiniens Leitrebe: Cannonau und ihre Wurzeln
Cannonau ist auf Sardinien so tief verwurzelt wie kaum eine andere Rebsorte in Italien. Genetisch mit Grenache und der spanischen Garnacha verwandt, wird sie seit Jahrhunderten auf der Mittelmeerinsel kultiviert. Ob die Rebe über die aragonesische Eroberung im 14. Jahrhundert nach Sardinien kam oder tatsächlich hier ihren Ursprung hat, ist unter Forschern nach wie vor umstritten. Sicher ist: Nirgendwo sonst zeigt sich Cannonau so eigenständig und charaktervoll wie auf den Granit-, Schiefer- und Sandböden dieser windumtosten Insel.
Die DOC Cannonau di Sardegna wurde 1972 eingeführt und umfasst die gesamte Insel. Rund jede fünfte Flasche sardischen Weins trägt diesen Namen. Innerhalb der Appellation gibt es drei anerkannte Unterzonen, die für besonders hochwertige Cannonau-Weine stehen: Nepente di Oliena, Jerzu und Capo Ferrato – allesamt im Osten und Südosten der Insel gelegen. Weine mit dem Zusatz „Classico" stammen aus den Provinzen Nuoro und Ogliastra, dem historischen Kerngebiet des sardischen Cannonau-Anbaus.
Aromen und Weinstile: Vom Rosato bis zur Riserva
Ein typischer Cannonau di Sardegna duftet nach reifen Erdbeeren, roten Kirschen und Himbeeren, begleitet von Noten mediterraner Kräuter, Pfeffer und manchmal einem Hauch Orangenzeste. Am Gaumen zeigt er sich mittelschwer bis kräftig, mit weichen Tanninen, moderater Säure und oft spürbarem Alkohol – ein Resultat der heißen sardischen Sommer und der intensiven Sonneneinstrahlung.
Die DOC erlaubt verschiedene Stilrichtungen. Als Rosato interpretiert, bringt Cannonau helle, saftige Weine mit salziger Frische hervor. Der klassische Rosso zeigt die sortentypische Frucht in zugänglicher Form. Für die Riserva-Stufe schreibt das Konsortium mindestens zwei Jahre Reifung vor, davon zwölf Monate im Holzfass. Dadurch gewinnen die Weine an Tiefe: Zu den Fruchtaromen gesellen sich Nuancen von Leder, Vanille und balsamischen Noten, während die Tannine sich geschmeidiger in den Wein integrieren.
Terroir und Anbau: Granit, Mistral und alte Reben
Das sardische Klima ist mediterran, heiß und trocken, doch der Mistral bläst fast ganzjährig über die Insel und sorgt für natürliche Belüftung der Weinberge. Viele Cannonau-Reben wachsen in der traditionellen Alberello-Erziehung – als niedrige Büsche, die dem Wind trotzen und ihre Wurzeln tief in die kargen Böden treiben. Manche dieser Rebstöcke sind über hundert Jahre alt und bringen geringe, aber hochkonzentrierte Erträge.
Die Böden variieren stark: Granit und paläozoische Sedimente im Nordwesten, Kalk und Ton im Osten, vulkanische Formationen auf Sant'Antioco im Süden. Diese geologische Vielfalt prägt die unterschiedlichen Stilistiken innerhalb der DOC und macht Cannonau di Sardegna zu einer Appellation voller Facetten.
Unsere Cannonau-Weine bei Vinolisa
Die Cannonau-Weine in unserem Sortiment stammen von
Tenuta L'Ariosa, dem Weingut der Gebrüder Rau im Nordwesten Sardiniens. Ihre Weinberge bei Tres Montes in Sorso liegen auf Granitböden mit Meeressedimenten, wo ständige Brisen vom Mittelmeer die Reben umwehen. Das Weingut arbeitet ausschließlich mit autochthonen sardischen Rebsorten und setzt auf Handlese sowie sorgfältige Vinifikation, um den Charakter des Terroirs einzufangen. Vom fruchtbetonten
Cannonau di Sardegna DOC über den fassgelagerten Riserva bis zum frischen Rosato „Controluce" finden Sie bei uns drei Interpretationen dieser faszinierenden Rebsorte.
Wer die Weinwelt Sardiniens noch breiter kennenlernen möchte, wird auch bei unseren
Vermentino di Sardegna-Weinen fündig – dem weißen Gegenstück zum Cannonau und ein idealer Begleiter zu Fisch und Meeresfrüchten.
Speiseempfehlungen und Servierhinweise
Cannonau di Sardegna entfaltet sein volles Potenzial bei einer Trinktemperatur von 16 bis 18 °C. Gerade die Riserva profitiert davon, eine halbe Stunde vor dem Servieren geöffnet oder dekantiert zu werden.
Kulinarisch ist die Verbindung zur sardischen Küche naheliegend: Porceddu – das langsam über Myrtenholz gegrillte Spanferkel – gehört zu den Klassikern. Ebenso harmoniert Cannonau hervorragend mit Lammgerichten, Wildschweinragout, gereiftem Pecorino Sardo oder kräftigen Pasta-Zubereitungen mit Fleischsauce. Der Rosato eignet sich dagegen als unkomplizierter Begleiter zu Antipasti, gegrilltem Gemüse oder frischen Salaten mit Meeresfrüchten.