Die Cortese-Traube und ihr berühmtester Wein
Im südlichen Piemont, zwischen den letzten Ausläufern der Poebene und den ligurischen Apenninen, liegt das DOCG-Gebiet Gavi. Hier wird ausschließlich die autochthone Rebsorte Cortese angebaut, deren Name sich vom italienischen Wort für „höflich" oder „edel" ableitet. Die Traube bringt Weißweine hervor, die genau das verkörpern: zurückhaltende Eleganz, frische Säure und ein feines aromatisches Profil mit Noten von Zitrusfrüchten, grünem Apfel, weißen Blüten und grünen Mandeln. Wenn Sie einen Gavi kaufen, erhalten Sie einen der wenigen DOCG-geschützten Weißweine Norditaliens, der seit 1998 diese höchste italienische Qualitätsstufe trägt.
Terroir zwischen Alpen und Mittelmeer
Was Gavi von anderen piemontesischen Weißweinen unterscheidet, ist die besondere geographische Lage. Die elf Gemeinden des Anbaugebiets in der Provinz Alessandria profitieren von einem Mikroklima, das alpine und maritime Einflüsse vereint. Kühle Winde aus den nahen Apenninen sorgen für ausgeprägte Tag-Nacht-Unterschiede, während die Nähe zur ligurischen Küste dem Wein eine subtile salzige Mineralität verleiht. Die Böden aus Kalkstein, Ton und sandigen Mergeln geben den Weinen Struktur und Tiefe. Manche Weinkenner ordnen Gavi stilistisch eher Ligurien als dem Piemont zu, so deutlich schmeckt man den maritimen Einfluss.
Vom Kultwein der 1970er bis heute
Weinbau in Gavi lässt sich bis ins Jahr 972 zurückverfolgen. Den entscheidenden Impuls für den internationalen Ruf gab Vittorio Soldati, der in den 1950er-Jahren auf seinem Weingut La Scolca den „Gavi di Gavi" kreierte. In den 1970er-Jahren wurde dieser Wein zum Kultobjekt und öffnete die Tür für italienische Weißweine auf der internationalen Bühne. 1974 erhielt das Gebiet den DOC-Status, 1998 folgte die Aufwertung zur DOCG. Seit 2010 gibt es zudem eine Riserva-Kategorie für Weine mit mindestens zwölf Monaten Reifung, davon sechs Monate auf der Flasche.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Gavi DOCG wird immer sortenrein aus Cortese gekeltert. Die meisten Weine werden im Edelstahltank ausgebaut, um die frische Frucht und die knackige Säure zu bewahren. Vereinzelt setzen Erzeuger auf Barrique-Ausbau, der dem Wein cremigere Textur und mandelartige Nuancen verleiht. Bei Vinolisa finden Sie Gavi von zwei renommierten piemontesischen Weingütern:
Marchesi di Barolo, das traditionsreiche Haus aus den Langhe mit über 170 Hektar Rebfläche und einer Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert reicht, sowie
Ca' Bianca, dessen Weinberge auf rund 220 Metern Höhe in der Gemeinde Gavi liegen. Beide Erzeuger stehen für klassischen, frischen Gavi-Stil mit Finesse und Trinkfreude.
Food-Pairing und Trinkempfehlung
Gavi entfaltet sein volles Potenzial bei einer Trinktemperatur von etwa 8 °C. Am Tisch zeigt sich der Wein als vielseitiger Begleiter: Fischgerichte und Meeresfrüchte nach ligurischer Art, Risotto mit Kräutern, Gemüsetartes oder ein frischer Insalata Caprese bringen seine mineralische Seite zum Vorschein. Auch als Aperitif macht ein gut gekühlter Gavi eine hervorragende Figur. Wer die weißen Weine des Piemont liebt, sollte neben Gavi auch einen Blick auf
Roero Arneis werfen, das aromatische Gegenstück aus den Langhe. Und wenn Sie die rote Seite des Piemont erkunden möchten, lohnt sich der Vergleich mit den großen
Barolo-Weinen oder einem fruchtigen Barbera d'Alba aus demselben traditionsreichen Haus Marchesi di Barolo.