Vom Bauernschnaps zum Destillat mit Anspruch
Grappa hat eine bemerkenswerte Wandlung durchlaufen. Noch vor wenigen Jahrzehnten galt der Tresterbrand als rustikaler Schnaps, den Bauern in Norditalien aus den Rückständen der Weinproduktion brannten – kräftig, oft rau, ohne große Finesse. Heute zählt handwerklich destillierte Grappa zu den angesehensten Spirituosen Italiens. Der Grund liegt in der Qualität der Rohstoffe und der Sorgfalt bei der Destillation: Frische, aromatische Trester, schonend in Kupferbrennblasen erhitzt, ergeben Destillate, die den Charakter der jeweiligen Rebsorte klar erkennbar bewahren. Seit 1989 ist die Bezeichnung „Grappa" durch eine EU-Verordnung geschützt – sie darf ausschließlich für Tresterbrand aus Italien verwendet werden.
Bianca, Invecchiata, Riserva – die Reifestufen
Drei Begriffe helfen bei der Orientierung im Grappa-Sortiment.
Grappa Bianca (auch Giovane) ist ungelagert, klar und transparent. Sie wird direkt nach der Destillation abgefüllt und zeigt den Rebsortencharakter am unmittelbarsten: fruchtig, frisch, oft mit blumigen Noten.
Grappa Invecchiata reift mindestens zwölf Monate in Holzfässern, was ihr eine goldene Farbe und zusätzliche Aromen von Vanille, Trockenfrüchten und gerösteten Nüssen verleiht.
Grappa Riserva(oder Stravecchia) lagert mindestens achtzehn Monate im Fass und gewinnt dadurch an Komplexität, Tiefe und einem langen, warmen Abgang. Je länger die Fasslagerung, desto weicher und vielschichtiger wird das Destillat.
Alexander – sortenrein und klar
Die Brennerei
Alexander aus dem Veneto setzt auf sortenreine Destillate, die den Charakter der Ausgangsrebsorte in den Vordergrund stellen. Die
Grappa Bianca ist das Einstiegsprodukt: klar, mild, mit dezenter Fruchtigkeit – ein zugänglicher Digestif für Einsteiger. Die
Grappa di Prosecco, verfügbar in der 0,7l- und der 0,35l-Flasche, fängt die florale, apfelige Aromatik der Glera-Traube ein und eignet sich hervorragend als Abschluss eines Abends, der mit einem Glas Prosecco begonnen hat. Die
Grappa Moscato bringt das intensive Bukett der Muskateller-Traube ins Destillat: Rosenblüte, reifer Pfirsich, ein Hauch Salbei. Mit der
Exquisite Invecchiata Grappa Prosecco zeigt Alexander, wie sich die Prosecco-Trester nach der Fasslagerung entwickeln – weicher, runder, mit honigfarbener Tönung und Noten von Vanille und Mandel.
Bottega – Meister der Fasslagerung
Grappa Riserva Privata mit 43 % vol. geht noch einen Schritt weiter: Längere Fasslagerung verleiht ihr eine ausgeprägte Komplexität mit Noten von dunkler Schokolade, Tabak und gerösteten Nüssen – ein Destillat, das den Vergleich mit gereiftem Cognac oder Whisky nicht scheuen muss. Die
Tardiva Grappa mit 38 % vol. rundet Bottegas Sortiment als mildere, zugänglichere Variante ab.
Donnafugata – ein Unikat aus Pantelleria
Abseits der klassischen norditalienischen Grappa-Tradition steht die
Ben Ryé Grappa von Donnafugata. Sie wird aus den Trestern des berühmten Ben Ryé Passito di Pantelleria destilliert – eines der renommiertesten Dessertweingüter Siziliens liefert hier die Grundlage für ein Destillat, das Noten von kandierten Zitrusfrüchten, Honig und mediterranen Kräutern mitbringt. In der Geschenkverpackung ist diese Grappa eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit für Kenner, die das Besondere suchen.
Servierempfehlung und Verwendung
Grappa Bianca trinkt man bei 8–10 °C aus dem tulpenförmigen Grappaglas, das die feinen Aromen bündelt. Gereifte Grappa darf etwas wärmer serviert werden, bei 14–16 °C, damit sich die komplexen Fassnoten entfalten können. Über den puren Genuss als Digestif hinaus hat Grappa auch in der Küche ihren Platz: Ein Caffè Corretto – Espresso mit einem Schuss Grappa – gehört in vielen italienischen Bars zum Nachmittagsritual. Gereifte Invecchiata eignet sich als Basis für einen Sgroppino, gemixt mit Zitronensorbet und Prosecco. Und wer italienische Cocktails mit regionaler Note mixen möchte, findet in der Grappa Moscato von Alexander eine aromatische Basis, die dem klassischen Gin in Sour-Varianten eine unerwartete Wendung gibt.