Ein kleines Anbaugebiet mit großem Charakter
Montefalco liegt im Herzen Umbriens, etwa 30 Kilometer südlich von Perugia, eingebettet in eine Hügellandschaft aus Olivenhainen und Weinbergen. Die Kleinstadt selbst thront auf einer Anhöhe mit Panoramablick über das umbrische Tal und wird deshalb auch als „Balkon Umbriens" bezeichnet. Was dieses Anbaugebiet für Weinliebhaber so interessant macht, ist eine einzige Rebsorte: Sagrantino. Sie wächst praktisch nur hier, auf den kalkhaltigen Ton- und Mergelböden rund um Montefalco, Bevagna, Gualdo Cattaneo und einige angrenzende Gemeinden in der Provinz Perugia.
Sagrantino – Italiens tanninreichste Rebsorte
Der Legende nach brachten Mönche die Sagrantino-Rebe im Mittelalter aus dem östlichen Mittelmeerraum nach Umbrien. Ihr Name soll sich von „sacro" (heilig) ableiten, weil Franziskanermönche die Trauben zunächst für die Herstellung von Messwein verwendeten. Über Jahrhunderte wurde Sagrantino als süßer Passito ausgebaut, da die damaligen Winzer die enormen Gerbstoffe der Traube kaum zu bändigen wussten. In den 1960er-Jahren war die Rebsorte fast verschwunden.
Die Wiederentdeckung begann in den 1980er- und 1990er-Jahren, als Pioniere wie Marco Caprai und das 1992 gegründete Weingut Còlpetrone erkannten, welches Potenzial in der Sorte steckt. Moderne Vinifizierung und reduzierte Erträge brachten trockene Rotweine hervor, die mit ihrer Tiefe und Komplexität auf internationaler Ebene Aufmerksamkeit erregten. 1992 erhielt der Sagrantino di Montefalco den DOCG-Status – die höchste italienische Qualitätsstufe.
Zwei Appellationen, zwei Weinstile
Das Anbaugebiet Montefalco kennt zwei zentrale Appellationen. Der
Montefalco Sagrantino DOCG wird zu 100 Prozent aus Sagrantino-Trauben gekeltert und muss mindestens 30 Monate reifen, davon zwölf in Eichenfässern. Im Glas zeigt er sich tiefdunkel, mit Aromen von Brombeeren, Sauerkirschen, Lakritz und Leder, begleitet von kräftigen, aber bei guter Reife zunehmend samtigen Tanninen. Der Alkoholgehalt liegt bei mindestens 13 Volumenprozent. Wer Geduld mitbringt, wird belohnt: Gut gemachte Sagrantino-Weine besitzen ein beachtliches Lagerpotenzial von zehn Jahren und mehr.
Der
Montefalco Rosso DOC ist die zugänglichere Variante. Er basiert auf Sangiovese, ergänzt durch Sagrantino und je nach Erzeuger auch Merlot. Die kürzere Reifezeit und die weicheren Tannine machen ihn zu einem vielseitigen Begleiter, der auch in jüngeren Jahrgängen Freude bereitet.
Còlpetrone – unser Erzeuger aus Montefalco
Bei Vinolisa stammen die Montefalco-Weine vom Weingut
Còlpetrone, das 63 Hektar hügelige Rebflächen in der Gemeinde Marcellano bewirtschaftet. Unter der Leitung von Önologe Lorenzo Landi hat sich Còlpetrone zu einem der angesehensten Erzeuger der Region entwickelt. Der Gambero Rosso zeichnete die Sagrantino-Weine des Hauses wiederholt mit der Höchstbewertung Tre Bicchieri aus, und auch der Falstaff vergab für den Sacer Sagrantino DOCG 94 Punkte. Còlpetrone begrenzt die Erträge auf 75 Prozent der im Gebiet zugelassenen Menge, was den Weinen zusätzliche Konzentration und aromatische Tiefe verleiht.
Neben den Sagrantino-Weinen „Memoira" und „Sacer" – letzterer die Spitzenselektion aus den besten Parzellen – führen wir den Montefalco Rosso DOC als zugänglichen Einstieg in die Weinwelt Montefalcos.
Zu welchen Gerichten passt Montefalco-Wein?
Die kraftvollen Rotweine aus Montefalco verlangen nach ebenso charakterstarken Speisen. Sagrantino DOCG harmoniert mit geschmortem Rindfleisch, Wild, Lamm mit Kräuterkruste oder gereiftem Pecorino. In Umbrien selbst wird er klassisch zu Strangozzi mit Trüffel oder zu Wildschweingulasch serviert. Der Montefalco Rosso DOC zeigt sich flexibler: Er passt zu Pasta mit kräftigen Ragùs, gegrilltem Gemüse oder würziger Salami. Beide Weine sollten bei 16 bis 18 Grad Celsius serviert werden, der Sagrantino profitiert von einer guten Stunde im Dekanter.
Montefalco bei Vinolisa entdecken
Wer Rotwein aus
Umbrien sucht, der Kraft und Persönlichkeit mitbringt, findet in Montefalco eine der spannendsten Entdeckungen abseits der bekannten Anbaugebiete. Die Weine verbinden die Tiefe und Tanninstruktur großer italienischer Rotweine mit dem eigenständigen Charakter einer autochthonen Rebsorte. Für Liebhaber von kräftigen Rotweinen mit Lagerpotenzial ist der Sagrantino eine lohnende Alternative zu Barolo oder Brunello. Und der Montefalco Rosso bietet einen hervorragenden Einstieg für alle, die den besonderen Stil Umbriens kennenlernen möchten.